Teer oder Bitumen – warum der Unterschied so viel ausmacht

Beim Rückbau von Flachdächern, Garagen und Lauben fällt alte Dachpappe an. Optisch sehen die Bahnen ähnlich aus, in der Entsorgung liegen aber Welten dazwischen: Die eine ist normaler Bauabfall, die andere gefährlicher Abfall mit Nachweispflicht.
Bis in die 1970er Jahre wurde Dachpappe mit Teer getränkt. Teer enthält polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und gilt heute als gesundheitsschädlich. Moderne Bahnen bestehen aus Bitumen, das unbedenklich ist.
Woran Sie teerhaltige Dachpappe erkennen
- Baujahr des Dachs vor etwa 1970
- Stechender, teerartiger Geruch – besonders in der Wärme
- Dunkle, glänzende Bruchkanten
- Mehrere alte Lagen übereinander, oft mit dicker Klebemasse
Bei Dächern, die nach 1970 gebaut wurden, handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um teerfreie Bitumenbahnen.
Im Zweifel: PAK-Analyse
Sicherheit bringt nur eine Materialprobe. Über eine PAK-Analyse nach der EPA-Methode lässt sich feststellen, ob der Grenzwert von 100 mg/kg Trockensubstanz überschritten wird.
Liegt der Wert darüber, enthält die Pappe relevante Mengen Teer und muss als Sondermüll behandelt werden. Die Analyse kostet wenig – eine Fehleinstufung an der Anlage deutlich mehr.
Neue Annahmeregel bei der BSR
An den Berliner Schadstoff-Annahmestellen wurden vermehrt asbesthaltige Dachpappen abgegeben. Die BSR hat daraufhin ihre Annahmerichtlinien angepasst.
Abfallerzeuger müssen die Schadstofffreiheit inzwischen bereits vor der Abgabe belegen – eine Bescheinigung, die vorher nicht verlangt wurde. Angenommen wird weiterhin, aber die Einstufung im Vorfeld ist nicht mehr optional.
Was nicht dazugehört
In den Dachpappencontainer dürfen nicht: Eisen- und Nichteisenmetalle, Bauschutt und Betonsteine, Leerbehälter mit Bitumenanhaftungen, Mineralwolle, Asbest sowie Dachabdeckungen auf Polymer- oder Textilbasis.
Auch teerfreie Bitumenbahn gehört übrigens nicht in den Bauschuttcontainer – sie macht die mineralische Fraktion unbrauchbar.